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Haarausfall

Androgenetische Alopezie: erblich bedingter Haarausfall erklärt

Androgenetische Alopezie ist die häufigste Haarausfall-Form. Wie DHT und Gene wirken, welche Stadien es gibt und was Medikamente und Transplantation leisten.

Redaktion HaarVergleich.ch · Aktualisiert am 14. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit · 7 wissenschaftliche Quellen · Wie wir recherchieren

Androgenetische Alopezie ist der medizinische Begriff für erblich bedingten Haarausfall. Sie ist die mit Abstand häufigste Ursache für lichter werdendes Haar, bei Männern wie bei Frauen: Mit zunehmendem Alter betrifft sie bis zu 80 Prozent der hellhäutigen Männer und bis zu 42 Prozent der Frauen [1]. Dahinter steckt eine genetisch bedingte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem Hormon Dihydrotestosteron (DHT).

Kurz gesagt: Erblicher Haarausfall schreitet langsam, aber stetig fort. Minoxidil und Finasterid können ihn bei vielen Betroffenen bremsen. Was bereits kahl ist, lässt sich nur mit einer Haartransplantation dauerhaft füllen.

Ursache: DHT und Genetik

Das männliche Hormon Testosteron wird durch das Enzym 5-Alpha-Reduktase in DHT umgewandelt. Bei genetisch veranlagten Menschen reagieren die Haarfollikel an Stirn, Schläfen und Oberkopf empfindlich auf DHT. Die Folge:

Schematische Darstellung eines Haarfollikels mit Haarschaft, Talgdrüse, Wurzelscheiden und dermaler Papille
Aufbau eines Haarfollikels (englisch beschriftet). Bei erblichem Haarausfall schrumpft der Follikel unter dem Einfluss von DHT schrittweise. Bild: Cuevas-Diaz Duran R et al., Wikimedia Commons, CC BY 4.0
  • Die Wachstumsphase der Haare wird mit jedem Zyklus kürzer.
  • Die Follikel schrumpfen (Miniaturisierung) und bilden dünnere, kürzere, hellere Haare.
  • Nach Jahren stellen manche Follikel die Produktion ganz ein [2].

Der Hormonspiegel ist dabei meist normal. Entscheidend ist die Empfindlichkeit der Follikel. Die Haare am Hinterkopf und an den Seiten sind gegen DHT weitgehend resistent. Deshalb bleibt bei Männern auch bei fortgeschrittener Glatze ein Haarkranz erhalten, und deshalb eignen sich diese Haare als Spenderhaar.

Die Veranlagung wird über mehrere Gene von beiden Elternteilen vererbt. Ein wichtiges Gen für den Androgenrezeptor liegt auf dem X-Chromosom, das Männer von der Mutter bekommen, ein zweiter wichtiger Genort auf Chromosom 20 [2]. Ein kahler Grossvater mütterlicherseits ist daher ein Hinweis, aber keine Garantie.

Wie erkenne ich erblich bedingten Haarausfall?

Typisch ist ein schleichender Verlauf über Jahre, nicht ein plötzlicher Ausfall. Hinweise sind:

  • zurückweichende Schläfen (Geheimratsecken) und lichter werdender Wirbel (Tonsur)
  • bei Frauen ein breiter werdender Mittelscheitel bei erhaltener Stirnhaarlinie
  • Haare in den betroffenen Zonen werden feiner und kürzer
  • ähnlicher Haarausfall in der Familie

In der Trichoskopie zeigt sich ein typisches Bild: Haare sehr unterschiedlicher Dicke nebeneinander. Blutwerte helfen, andere Ursachen wie Eisenmangel oder Schilddrüsenstörungen auszuschliessen, vor allem bei Frauen.

Stadien: Norwood und Ludwig

Der Verlauf wird mit Skalen beschrieben, die bei Behandlung und Graft-Planung helfen.

Zeichnung der Norwood-Skala mit den Stadien I bis VII des erblich bedingten Haarausfalls bei Männern
Die Norwood-Skala teilt erblich bedingten Haarausfall bei Männern in sieben Stadien ein, dazu kommen Sonderformen (A-Varianten, Vertex). Bild: Keministi, Wikimedia Commons, CC0
Skala Für Stadien Muster
Norwood-Hamilton Männer 1 bis 7 Geheimratsecken, Tonsur, später Verbindung zur Glatze
Ludwig Frauen 1 bis 3 Zunehmende Ausdünnung am Scheitel

Alle Stadien mit Bildern, typischer Graft-Zahl und Kosten finden Sie in der Übersicht Haarausfall-Stadien.

Androgenetische Alopezie bei Frauen

Auch Frauen können erblich bedingten Haarausfall haben, Fachleute sprechen dann oft von «female pattern hair loss». Er unterscheidet sich deutlich vom männlichen Muster:

  • Die Stirnhaarlinie bleibt meist erhalten.
  • Das Haar wird vor allem am Mittelscheitel und am Oberkopf dünner, der Scheitel wirkt breiter.
  • Eine vollständige Glatze ist sehr selten.
  • Der Beginn liegt häufig nach den Wechseljahren, kann aber auch schon mit 20 oder 30 einsetzen.

Bei Frauen sollten immer auch Ferritin, Schilddrüse und bei Zyklusstörungen, Akne oder vermehrter Körperbehaarung die Hormone geprüft werden, etwa um ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) zu erkennen. Finasterid ist für Frauen nicht zugelassen und in der Schwangerschaft wegen möglicher Fehlbildungen beim männlichen Fötus tabu. In Studien mit Frauen war Finasterid 1 mg zudem nicht wirksamer als Placebo [3]. Erste Wahl ist Minoxidil, dessen Wirksamkeit bei Frauen ein Cochrane-Review bestätigt [3], ergänzend kommt bei manchen Frauen Spironolacton infrage.

Behandlung mit Medikamenten

Medikamente können erblichen Haarausfall nicht heilen, aber bei konsequenter Anwendung oft über Jahre stabilisieren. Minoxidil und Finasterid waren in einer Metaanalyse randomisierter Studien klar wirksamer als Placebo [4]. Im indirekten Vergleich führte Dutasterid 0,5 mg nach 24 Wochen zum grössten Zuwachs an Haaren [5]. Wie stark die Evidenz für die einzelnen Behandlungen ist, zeigt unsere Übersicht Haarausfall: Was die Forschung wirklich zeigt.

Wirkstoff Für Status in der Schweiz Wirkung
Minoxidil 2 % / 5 % (Lösung, Schaum) Männer und Frauen rezeptfrei in Apotheken verlängert die Wachstumsphase
Minoxidil oral, niedrig dosiert Männer und Frauen off-label, ärztliches Rezept ähnlich, systemische Wirkung
Finasterid 1 mg Männer rezeptpflichtig senkt DHT im Blut um rund 60 bis 70 % [7]
Dutasterid Männer off-label stärkere DHT-Senkung
Spironolacton Frauen off-label antiandrogen

Ein sichtbarer Effekt zeigt sich meist erst nach drei bis sechs Monaten, die volle Wirkung nach etwa einem Jahr. Setzt man die Medikamente ab, geht der Effekt innerhalb von Monaten wieder verloren. Mögliche Nebenwirkungen, bei Finasterid etwa sexuelle Funktionsstörungen bei einem kleinen Teil der Anwender (in Studien rund 1,7-fach häufiger als unter Placebo [6]), sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt besprechen.

Details zu Dosierung und Nebenwirkungen: Minoxidil, Finasterid und Dutasterid. Ergänzend werden PRP und Microneedling eingesetzt, die Datenlage ist aber schwächer.

Haartransplantation bei androgenetischer Alopezie

Eine Haartransplantation ist die einzige Methode, mit der bereits kahle Stellen dauerhaft wieder Haare bekommen. Dabei werden DHT-resistente Follikel aus dem Hinterkopf entnommen und in die lichten Zonen gesetzt. Sie behalten ihre Resistenz und wachsen ein Leben lang.

Wichtig zu wissen:

  • Die Transplantation stoppt den Haarausfall nicht. Die nicht transplantierten Haare können weiter ausfallen. Deshalb empfehlen viele Ärzte, parallel medikamentös zu behandeln.
  • Die Spenderzone ist begrenzt. Je nach Haardichte stehen über das Leben rund 4'000 bis 7'000 Grafts zur Verfügung. Die Planung muss künftigen Verlust mitdenken.
  • Das Alter zählt. Bei Männern unter etwa 25 ist der Verlauf schwer abzuschätzen. Oft wird zuerst stabilisiert.
  • Frauen mit diffuser Ausdünnung sind seltener geeignet, siehe Haartransplantation bei Frauen.
Stadium Typische Grafts Kosten Schweiz (ca.)
Norwood 2–3 1'000–2'200 CHF 3'000–10'000
Norwood 4 2'000–3'000 CHF 6'000–14'000
Norwood 5–6 3'000–4'500 CHF 10'000–20'000 und mehr

Wie viele Grafts Sie konkret brauchen, schätzt der Graft-Rechner. Preise der einzelnen Kliniken vergleicht unsere Kostenübersicht.

Wann zum Arzt?

Lassen Sie den Haarausfall abklären, wenn er früh beginnt, schnell fortschreitet oder nicht dem typischen Muster entspricht. Eine Dermatologin kann die Diagnose sichern, andere Ursachen ausschliessen und einen Behandlungsplan erstellen. Je früher Sie beginnen, desto mehr eigenes Haar lässt sich erhalten. Viele spezialisierte Kliniken in der Schweiz bieten Diagnose, Medikamentenplan und eine spätere Transplantation aus einer Hand an, inklusive Kontrollen vor Ort.

Häufige Fragen

Was ist androgenetische Alopezie?

Androgenetische Alopezie ist erblich bedingter Haarausfall. Genetisch empfindliche Haarfollikel reagieren auf das Hormon DHT, werden über Jahre kleiner und produzieren immer dünnere Haare. Bei Männern entstehen Geheimratsecken und Tonsur, bei Frauen eine Ausdünnung am Scheitel.

Was kann man gegen erblich bedingten Haarausfall tun?

Am besten belegt sind Minoxidil und bei Männern Finasterid. Beide können den Haarausfall bremsen und teilweise Haare zurückbringen, wirken aber nur, solange man sie anwendet. Bereits kahle Stellen lassen sich dauerhaft nur mit einer Haartransplantation füllen.

Ist androgenetische Alopezie heilbar?

Nein, die genetische Veranlagung bleibt. Der Verlauf lässt sich aber mit Medikamenten bei vielen Betroffenen über Jahre verlangsamen oder stoppen. Eine Haartransplantation verteilt resistente Haare dauerhaft um.

Von wem erbt man Haarausfall?

Erblicher Haarausfall wird über mehrere Gene von beiden Elternteilen vererbt. Ein wichtiges Gen für den Androgenrezeptor liegt auf dem X-Chromosom, das Männer von der Mutter erhalten. Der Blick auf den Grossvater mütterlicherseits ist daher ein Hinweis, aber keine sichere Vorhersage.

Ab welchem Alter beginnt erblich bedingter Haarausfall?

Bei Männern oft schon zwischen Ende Teenageralter und 30, bei Frauen meist später, häufig um oder nach den Wechseljahren. Je früher er beginnt, desto ausgeprägter wird er in der Regel.

Quellen

Die Ziffern im Text verweisen auf diese Quellen. Links führen zu PubMed, zum Verlag (DOI) oder zur Behörde.

  1. Kanti V, Messenger A, Dobos G et al. Evidence-based (S3) guideline for the treatment of androgenetic alopecia in women and in men - short version. J Eur Acad Dermatol Venereol 2018.PubMedDOI
  2. Lolli F, Pallotti F, Rossi A et al. Androgenetic alopecia: a review. Endocrine 2017.PubMedDOI
  3. van Zuuren EJ, Fedorowicz Z, Schoones J. Interventions for female pattern hair loss. Cochrane Database Syst Rev 2016.PubMedDOI
  4. Adil A, Godwin M. The effectiveness of treatments for androgenetic alopecia: A systematic review and meta-analysis. J Am Acad Dermatol 2017.PubMedDOI
  5. Gupta AK, Venkataraman M, Talukder M et al. Relative Efficacy of Minoxidil and the 5-α Reductase Inhibitors in Androgenetic Alopecia Treatment of Male Patients: A Network Meta-analysis. JAMA Dermatol 2022.PubMedDOI
  6. Lee S, Lee YB, Choe SJ et al. Adverse Sexual Effects of Treatment with Finasteride or Dutasteride for Male Androgenetic Alopecia: A Systematic Review and Meta-analysis. Acta Derm Venereol 2019.PubMedDOI
  7. Caserini M, Radicioni M, Leuratti C et al. Effects of a novel finasteride 0.25% topical solution on scalp and serum dihydrotestosterone in healthy men with androgenetic alopecia. Int J Clin Pharmacol Ther 2016.PubMedDOI

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung für Sie infrage kommt, klärt eine Untersuchung durch eine Fachperson.

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