Bei einer PRP-Behandlung der Haare wird Blut abgenommen, zu plättchenreichem Plasma aufbereitet und in die Kopfhaut injiziert. Die darin enthaltenen Wachstumsfaktoren sollen geschwächte Haarfollikel anregen. Studien zeigen bei erblich bedingtem Haarausfall eine moderate Wirkung, vor allem in Kombination mit Medikamenten [1,5]. In der Schweiz kostet eine Sitzung meist CHF 300 bis 700.
Kurz gesagt: PRP kann dünner werdendes Haar kräftigen, ist aber kein Wundermittel. Es braucht mehrere Sitzungen, regelmässige Auffrischungen und wirkt am besten ergänzend.
Was ist PRP?
PRP steht für Platelet-Rich Plasma, auf Deutsch plättchenreiches Plasma oder Eigenbluttherapie. Blutplättchen enthalten Wachstumsfaktoren, die im Körper bei der Wundheilung helfen. Die Idee: In hoher Konzentration in die Kopfhaut gebracht, sollen sie die Durchblutung fördern, die Wachstumsphase der Haare verlängern und verkleinerte Follikel stärken.

PRP wird in der Dermatologie, Sportmedizin und ästhetischen Medizin eingesetzt. Gegen Haarausfall kommt es vor allem bei der androgenetischen Alopezie zum Einsatz, teils auch bei kreisrundem Haarausfall.
Ablauf einer PRP-Behandlung
Eine Sitzung dauert etwa 45 bis 60 Minuten:
- Blutentnahme: Aus der Armvene werden etwa 10 bis 60 ml Blut entnommen, je nach System.
- Zentrifugieren: Das Blut wird in einer Zentrifuge getrennt. Das plättchenreiche Plasma wird abgezogen.
- Vorbereitung der Kopfhaut: Desinfektion, auf Wunsch Kühlung oder betäubende Creme.
- Injektion: Das Plasma wird mit feinen Nadeln oder einem Injektionsgerät gleichmässig in die betroffenen Bereiche gespritzt.
- Danach: Haare am selben Tag nicht waschen, 24 Stunden keinen Sport und keine Sauna.
Sie können direkt danach wieder arbeiten. Leichte Rötung, Spannungsgefühl oder kleine Blutergüsse klingen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen ab.
Vorbereitung auf die Sitzung
Einige einfache Punkte verbessern die Qualität des Plasmas und die Verträglichkeit:
- Blutverdünnende Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen nach Rücksprache einige Tage vorher pausieren. Verschriebene Blutverdünner nie eigenmächtig absetzen.
- Viel trinken am Vortag und am Behandlungstag, das erleichtert die Blutentnahme.
- Leicht essen, nicht nüchtern kommen, um Kreislaufprobleme zu vermeiden.
- Kein Alkohol 24 Stunden vor und nach der Sitzung.
- Haare waschen am Morgen, keine Stylingprodukte.
- Minoxidil meist am Vortag und Behandlungstag weglassen, danach nach Vorgabe der Praxis wieder auftragen.
Fragen Sie vorab, welches System verwendet wird, wie viel Blut entnommen wird und ob die Plättchenkonzentration gemessen wird. Seriöse Anbieter beantworten diese Fragen ohne Umschweife. Standard ist die Messung noch nicht überall; manche Praxen, etwa Mara in Zürich, bestimmen die Thrombozytenzahl vor jeder Sitzung.
Wie gut wirkt PRP? Die Studienlage
Die Evidenz für PRP bei Haarausfall ist begrenzt, die Studienqualität laut einer grossen Metaanalyse meist niedrig [1]. Mehrere kontrollierte Studien und Übersichtsarbeiten zeigen eine Zunahme der Haardichte gegenüber Placebo; beim Haardurchmesser war der Unterschied in einer Metaanalyse randomisierter Studien nicht signifikant [1,2]. Wie PRP im Vergleich zu Minoxidil, Finasterid und Laser abschneidet, zeigt unsere Studienlage zu Haarausfall-Behandlungen. Gleichzeitig gibt es Einschränkungen:
- Viele Studien sind klein und kurz.
- Die Verfahren unterscheiden sich stark: Blutmenge, Zentrifugation, Plättchenkonzentration, Anzahl Sitzungen. Mehr Sitzungen in kürzeren Abständen und doppelte Zentrifugation gingen in einer Netzwerk-Metaanalyse mit besseren Ergebnissen einher [3].
- Nicht alle Patienten sprechen an, und die Wirkung lässt ohne Auffrischung nach.
Realistisch ist: PRP kann dünner werdende Haare kräftigen und den Haarausfall verlangsamen. Kahle Stellen bringt es nicht zurück. Am meisten profitieren Menschen mit beginnendem Haarausfall in Kombination mit Minoxidil oder Finasterid; PRP plus Minoxidil brachte in Studien mehr Haardichte als Minoxidil allein, bei allerdings schwacher Evidenz [5].
PRP bei Frauen und bei kreisrundem Haarausfall
Auch Frauen mit erblich bedingter Ausdünnung am Scheitel können von PRP profitieren. Die Studienlage ist ähnlich wie bei Männern: Eine Metaanalyse fand mehr kräftige Haare, aber keine signifikant dickeren Haare, auf Basis kleiner Studien [4]. Da Finasterid für Frauen im gebärfähigen Alter nicht infrage kommt, ist PRP für manche Patientinnen eine willkommene zusätzliche Option.
Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) ist unklar, ob PRP besser wirkt als Kortison-Injektionen [1]; die etablierten Therapien mit Kortison oder neueren Medikamenten sind aber besser untersucht. Hier sollte die Behandlung immer dermatologisch geführt werden.
Behandlungsplan: wie viele Sitzungen?
| Phase | Häufigkeit | Ziel |
|---|---|---|
| Grundkur | 3 bis 4 Sitzungen, alle 4 Wochen | Follikel anregen |
| Zwischenkontrolle | nach 3 bis 6 Monaten | Fotos und Trichoskopie vergleichen |
| Erhaltung | alle 4 bis 12 Monate | Ergebnis stabilisieren |
Beurteilen Sie den Erfolg nicht zu früh. Sichtbare Veränderungen zeigen sich meist erst drei bis sechs Monate nach Beginn.
Kosten von PRP in der Schweiz
| Leistung | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Einzelsitzung | CHF 300 bis 700 |
| Grundkur (3 bis 4 Sitzungen) | CHF 1'000 bis 2'500 |
| Erhaltung pro Jahr | CHF 300 bis 1'400 |
| PRP während einer Haartransplantation | oft CHF 300 bis 600 Aufpreis oder im Paket |
Die Preise unterscheiden sich je nach Kanton, Praxis und System. Manche Anbieter arbeiten mit speziellen Kits oder zusätzlichen Aktivatoren, was den Preis erhöht, aber nicht unbedingt die Wirkung. Die Krankenkasse übernimmt PRP gegen Haarausfall in der Regel nicht.
Erfahrungen: was Patienten berichten
Die Erfahrungen mit PRP sind gemischt. Typische Rückmeldungen:
- Positiv: Haare wirken kräftiger und voller, weniger Haare in der Bürste, besonders bei frühem Haarausfall.
- Neutral: Kaum sichtbare Veränderung, aber subjektiv stabiler Zustand.
- Negativ: Hohe Kosten bei geringer Wirkung, vor allem wenn bereits grosse Flächen kahl sind.
Seien Sie skeptisch gegenüber Angeboten mit Erfolgsgarantie oder grossen Rabattpaketen. Seriöse Praxen dokumentieren den Ausgangsbefund mit Fotos und Trichoskopie und besprechen realistische Ziele.
Wer sollte kein PRP machen?
PRP ist sehr sicher, da körpereigenes Material verwendet wird; in den Studien traten keine schweren Nebenwirkungen auf [1,2]. Vorsicht oder Verzicht ist angebracht bei:
- Blutgerinnungsstörungen oder Einnahme von Blutverdünnern
- niedrigen Blutplättchenwerten
- akuten Infektionen oder Hautentzündungen der Kopfhaut
- aktiver Krebserkrankung
- Schwangerschaft (mangels Daten meist nicht empfohlen)
Klären Sie vorab, ob Ihr Haarausfall erblich ist oder andere Ursachen hat, etwa Eisenmangel oder eine Schilddrüsenstörung. Mehr dazu im Ratgeber Vitamine bei Haarausfall.
PRP und Haartransplantation
Viele Kliniken setzen PRP rund um eine Haartransplantation ein:
- Während des Eingriffs: Grafts werden teils in PRP-haltiger Lösung gelagert oder PRP wird nach dem Einsetzen injiziert.
- Nach dem Eingriff: Einige Wochen bis Monate danach soll PRP die Heilung unterstützen und den Shock Loss abmildern.
Die Studienlage dazu ist noch begrenzt, einige Untersuchungen deuten auf ein schnelleres Anwachsen und mehr Dichte hin. PRP ist ein sinnvolles Extra, aber kein Muss. Fragen Sie nach, ob es im Preis enthalten ist. Wie die Kosten einer Transplantation zusammengesetzt sind, zeigt unser Kostenvergleich.
Wann eine Haartransplantation sinnvoll ist
PRP wirkt nur dort, wo noch aktive Haarfollikel vorhanden sind. Sind Geheimratsecken oder Oberkopf bereits kahl, bringt eine Haartransplantation dauerhaft Haar zurück. In der Schweiz kosten 2'000 Grafts typischerweise CHF 6'000 bis 10'000. Ihr Stadium finden Sie unter Haarausfall-Stadien, passende Anbieter mit Diagnose und Nachsorge vor Ort im Klinikvergleich.
Häufige Fragen
Wie viel kostet eine PRP-Behandlung für die Haare?
In der Schweiz kostet eine PRP-Sitzung meist zwischen CHF 300 und CHF 700, je nach Praxis, Verfahren und Region. Für eine Grundkur mit drei bis vier Sitzungen sollten Sie mit CHF 1'000 bis 2'500 rechnen, dazu kommen Auffrischungen.
Wie viele PRP-Sitzungen braucht man?
Üblich sind drei bis vier Sitzungen im Abstand von etwa vier Wochen. Danach folgen Erhaltungssitzungen alle vier bis zwölf Monate. Die genaue Planung hängt vom Befund und der Praxis ab.
Wie gut wirkt PRP gegen Haarausfall?
Studien zeigen bei erblich bedingtem Haarausfall eine moderate Zunahme der Haardichte, bei der Haardicke sind die Ergebnisse uneinheitlich. Die Studien sind aber oft klein und verwenden unterschiedliche Verfahren. PRP wirkt am besten ergänzend zu Minoxidil oder Finasterid, nicht als Ersatz.
Tut eine PRP-Behandlung weh?
Die vielen kleinen Injektionen in die Kopfhaut sind unangenehm, aber meist gut erträglich. Viele Praxen verwenden Kühlung, betäubende Creme oder eine örtliche Betäubung. Danach kann die Kopfhaut ein bis zwei Tage spannen.
Zahlt die Krankenkasse PRP für die Haare?
Nein, in der Regel nicht. PRP gegen Haarausfall gilt als kosmetische Behandlung und wird von der Grundversicherung nicht übernommen.
Quellen
Die Ziffern im Text verweisen auf diese Quellen. Links führen zu PubMed, zum Verlag (DOI) oder zur Behörde.
- Cruciani M, Masiello F, Pati I et al. Platelet-rich plasma for the treatment of alopecia: a systematic review and meta-analysis. Blood Transfus 2023.PubMedDOI
- Zhang X, Ji Y, Zhou M et al. Platelet-Rich Plasma for Androgenetic Alopecia: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. J Cutan Med Surg 2023.PubMedDOI
- Gupta AK, Bamimore M. Platelet-Rich Plasma Monotherapies for Androgenetic Alopecia: A Network Meta-Analysis and Meta-Regression Study. J Drugs Dermatol 2022.PubMedDOI
- de Oliveira AFQ, Arcanjo FPN, Rodrigues MRP et al. Use of autologous platelet-rich plasma in androgenetic alopecia in women: a systematic review and meta-analysis. J Dermatolog Treat 2023.PubMedDOI
- Yao J, Zhu L, Pan M et al. The additive value of platelet-rich plasma to topical Minoxidil in the treatment of androgenetic alopecia: A systematic review and meta-analysis. PLoS One 2024.PubMedDOI
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung für Sie infrage kommt, klärt eine Untersuchung durch eine Fachperson.