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Haarausfall

Telogenes Effluvium: diffuser Haarausfall nach Stress, Krankheit und COVID

Diffuser Haarausfall 2–3 Monate nach Fieber, COVID, Geburt oder Stress? Das ist oft ein telogenes Effluvium. Wie lange es dauert und wann das Haar nachwächst.

Redaktion HaarVergleich.ch · Aktualisiert am 14. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit · 6 wissenschaftliche Quellen · Wie wir recherchieren

Das telogene Effluvium ist ein plötzlicher, diffuser Haarausfall, der zwei bis drei Monate nach einem körperlichen oder seelischen Auslöser beginnt. Typische Auslöser sind hohes Fieber, COVID-19, Operationen, eine Geburt, Crash-Diäten oder starker Stress [1]. In den meisten Fällen wächst das Haar von selbst wieder nach [1,5].

Kurz gesagt: Telogenes Effluvium sieht dramatisch aus, ist aber meist vorübergehend. Der Ausfall stoppt in der Regel nach einigen Monaten, die Haarfülle kehrt innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zurück. Wichtig ist, den Auslöser zu finden und Mängel auszugleichen.

Was passiert beim telogenen Effluvium?

Normalerweise befinden sich rund 85 bis 90 Prozent der Haare in der Wachstumsphase (Anagen) und etwa 10 bis 15 Prozent in der Ruhephase (Telogen). Ein starker Auslöser schickt plötzlich viel mehr Haare gleichzeitig in die Ruhephase.

Schema eines Haarfollikels in der Ruhephase (Telogen) und in der Wachstumsphase (Anagen)
Haarfollikel in der Ruhephase (Telogen, links) und in der Wachstumsphase (Anagen, rechts), englisch beschriftet. Gesunde Kopfhaut: rund 85 bis 90 Prozent der Haare wachsen, der Rest ruht. Bild: Cancedda R, Mastrogiacomo M, Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Die Ruhephase dauert etwa drei Monate. Deshalb fallen die Haare mit Verzögerung aus, oft dann, wenn der Auslöser längst vergessen ist. Statt 50 bis 100 Haaren können es täglich mehrere hundert sein.

Typische Zeichen:

  • plötzlich viele Haare in Bürste, Dusche und auf dem Kissen
  • gleichmässige Ausdünnung über den ganzen Kopf, oft an den Schläfen betont
  • keine kahlen Stellen, keine Narben, keine Entzündung
  • ausgefallene Haare haben eine kleine weisse Wurzelknolle (Telogenhaar)
  • positiver Zupftest: Bei leichtem Zug lösen sich mehrere Haare

Häufige Auslöser

Die Liste möglicher Auslöser ist lang. Für viele davon beruht der Zusammenhang allerdings eher auf klinischer Erfahrung als auf soliden Studien [3].

Auslöser Beispiele
Infekte und Fieber COVID-19, Grippe, Lungenentzündung
Körperliche Belastung Operation, Unfall, grosser Blutverlust
Hormonelle Umstellung Geburt (postpartaler Haarausfall), Absetzen der Pille
Ernährung Crash-Diät, starker Gewichtsverlust, Eiweissmangel
Mängel Eisenmangel, ausgeprägter Vitamin-D- oder Zinkmangel
Schilddrüse Unter- oder Überfunktion
Medikamente z. B. Retinoide, Blutverdünner, Betablocker, Beginn oder Stopp hormoneller Therapien
Seelischer Stress Trauerfall, Trennung, Burnout, Prüfungsphase

Interessanterweise kann auch der Start einer Minoxidil-Behandlung in den ersten Wochen einen vorübergehenden Haarausfall auslösen. Das ist ein gutes Zeichen: Alte Haare werden durch neue ersetzt, mehr dazu im Ratgeber Minoxidil.

Zeitlicher Verlauf

Zeitpunkt Was passiert
Tag 0 Auslöser (z. B. Fieber, Geburt, Stressphase)
Woche 6–12 Verstärkter Haarausfall beginnt
Monat 3–6 Ausfall lässt allmählich nach
Monat 4–8 Neue, kurze Haare sind am Haaransatz sichtbar
Monat 6–12 Haarfülle weitgehend wiederhergestellt

Da Haare nur rund einen Zentimeter pro Monat wachsen, dauert es bei langen Haaren deutlich länger, bis die alte Fülle wieder sichtbar ist.

Chronisches telogenes Effluvium

Hält der diffuse Haarausfall länger als sechs Monate an, spricht man von einem chronischen telogenen Effluvium. Es betrifft vor allem Frauen zwischen 30 und 60 und verläuft oft in Wellen über Jahre. Die gute Nachricht: Es führt in der Regel nicht zur Glatze, das Haar wird eher insgesamt etwas dünner.

Wichtig ist hier die genaue Abklärung, denn hinter einem vermeintlich chronischen telogenen Effluvium kann auch ein beginnender erblicher Haarausfall stecken, oder beides gleichzeitig [2,3]. Bei Frauen lohnt sich der Blick in den Ratgeber Haarausfall bei Frauen.

Unterschied zum erblich bedingten Haarausfall

Merkmal Telogenes Effluvium Androgenetische Alopezie
Beginn Plötzlich, 2–3 Monate nach Auslöser Schleichend über Jahre
Muster Diffus, ganzer Kopf Geheimratsecken, Tonsur oder Scheitel
Haardicke Normal dicke Haare Zunehmend feinere Haare (Miniaturisierung)
Verlauf Meist selbstlimitierend Fortschreitend ohne Behandlung
Spenderzone Kann mitbetroffen sein Bleibt meist stabil

Ein telogenes Effluvium kann einen bestehenden erblichen Haarausfall auch «demaskieren»: Das Haar wird danach nicht mehr ganz so dicht wie zuvor. Mehr zur erblichen Form im Ratgeber androgenetische Alopezie.

Was hilft beim telogenen Effluvium?

  • Ursache klären: Hausärztin oder Dermatologe prüfen Ferritin, Blutbild, TSH, Vitamin D und gegebenenfalls Zink. Die Abklärung übernimmt in der Regel die Grundversicherung.
  • Mängel ausgleichen: Nur bei nachgewiesenem Mangel, denn der Nutzen von Präparaten ohne Mangel ist nicht belegt [6], siehe Vitamine bei Haarausfall.
  • Auslöser beheben: ausreichend Eiweiss und Kalorien, Schilddrüse einstellen, Medikamente mit der Ärztin überprüfen.
  • Sanfte Haarpflege: keine straffen Frisuren, wenig Hitze. Waschen ist erlaubt, es löst nur Haare, die ohnehin ausfallen würden.
  • Geduld: Die meisten Fälle heilen ohne spezifische Therapie. Eine gezielte, belegte Behandlung des telogenen Effluviums gibt es bisher nicht [1].
  • Minoxidil wird bei chronischem Verlauf manchmal eingesetzt, um die Wachstumsphase zu verlängern.

Teure Haarkuren, Ampullen und Wundermittel versprechen oft schnelle Hilfe, ihr Nutzen ist aber meist nicht belegt.

Haarausfall nach COVID und nach der Geburt

Zwei Situationen sind besonders häufig:

Ausgedünntes Haar an der Schläfe einer jungen Frau einige Monate nach der Geburt
Haarausfall nach der Geburt: An den Schläfen ist das Haar sichtbar ausgedünnt. Meist wächst es innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach. Bild: Mvolz, Wikimedia Commons, CC0
  • Nach COVID-19: Viele Betroffene bemerken etwa zwei bis drei Monate nach der Infektion verstärkten Haarausfall, oft auch nach eher milden Verläufen. Fieber, Entzündung und die seelische Belastung wirken zusammen. Die Prognose ist gut: Nach bisherigen Daten bessert sich der Haarausfall auch ohne Behandlung [4], meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten.
  • Nach der Geburt: Während der Schwangerschaft bleiben viele Haare in der Wachstumsphase. Nach der Geburt wechseln sie gesammelt in die Ruhephase und fallen nach zwei bis vier Monaten aus. Stillen verursacht den Haarausfall nicht. Ein Eisenmangel nach der Geburt sollte aber ausgeschlossen werden. Mehr dazu im Ratgeber Haarausfall nach der Schwangerschaft.

Wann zum Arzt?

Gehen Sie zur Ärztin, wenn der Haarausfall länger als drei Monate stark bleibt, kahle Stellen entstehen, die Kopfhaut juckt oder schmerzt oder weitere Beschwerden wie Müdigkeit, Herzklopfen oder Gewichtsveränderungen dazukommen.

Ist eine Haartransplantation sinnvoll?

Bei einem akuten telogenen Effluvium nicht. Das Haar kommt in der Regel von selbst zurück, und eine Operation könnte durch die Belastung sogar weiteren Ausfall auslösen. Seriöse Kliniken warten deshalb ab, bis sich der Haarzustand stabilisiert hat.

Bleiben nach 12 Monaten lichte Stellen mit typischem Muster, steckt meist eine androgenetische Alopezie dahinter. Dann kann eine Transplantation eine Option sein. Einen Überblick über die Stadien bietet die Seite Haarausfall-Stadien, alle Formen von Haarausfall erklärt der Ratgeber Haarausfall: Ursachen und Formen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein telogenes Effluvium?

Der verstärkte Ausfall dauert meist zwei bis sechs Monate. Ist der Auslöser behoben, wachsen die Haare nach, sichtbar wird die Erholung aber oft erst nach sechs bis zwölf Monaten, weil Haare nur rund einen Zentimeter pro Monat wachsen.

Kann Stress Haarausfall auslösen?

Ja. Starker körperlicher oder seelischer Stress kann viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase schicken. Der Ausfall zeigt sich dann typischerweise zwei bis drei Monate später als diffuse Ausdünnung.

Ist Haarausfall nach COVID normal?

Haarausfall einige Wochen bis Monate nach einer COVID-19-Erkrankung ist häufig und entspricht meist einem telogenen Effluvium durch Fieber und Entzündung. In der Regel erholt sich das Haar innerhalb von Monaten von selbst.

Was tun bei starkem Haarausfall?

Lassen Sie die Ursache ärztlich abklären, inklusive Blutwerten wie Ferritin, Schilddrüse und Vitamin D. Bei einem telogenen Effluvium hilft vor allem, den Auslöser zu beheben, Mängel auszugleichen und Geduld zu haben.

Wie unterscheidet sich telogenes Effluvium von erblichem Haarausfall?

Das telogene Effluvium beginnt plötzlich, betrifft den ganzen Kopf gleichmässig und bildet sich meist zurück. Erblicher Haarausfall entwickelt sich schleichend über Jahre, folgt einem Muster wie Geheimratsecken oder breitem Scheitel und schreitet ohne Behandlung fort.

Quellen

Die Ziffern im Text verweisen auf diese Quellen. Links führen zu PubMed, zum Verlag (DOI) oder zur Behörde.

  1. Chien Yin GO, Siong-See JL, Wang ECE. Telogen Effluvium - a review of the science and current obstacles. J Dermatol Sci 2021.PubMedDOI
  2. Rebora A. Telogen effluvium: a comprehensive review. Clin Cosmet Investig Dermatol 2019.PubMedDOI
  3. Grover C, Khurana A. Telogen effluvium. Indian J Dermatol Venereol Leprol 2013.PubMedDOI
  4. Tešanović Perković D, Vukojević M, Bukvić Mokos Z. Post-COVID Telogen Effluvium. Acta Dermatovenerol Croat 2022.PubMed
  5. Dakkak M, Forde KM, Lanney H. Hair Loss: Diagnosis and Treatment. Am Fam Physician 2024.PubMed
  6. Almohanna HM, Ahmed AA, Tsatalis JP et al. The Role of Vitamins and Minerals in Hair Loss: A Review. Dermatol Ther (Heidelb) 2019.PubMedDOI

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung für Sie infrage kommt, klärt eine Untersuchung durch eine Fachperson.

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