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Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Ursachen und Behandlung

Kreisrunder Haarausfall ist eine Autoimmunerkrankung, oft wachsen die Haare innert eines Jahres nach. Welche Therapien helfen und warum keine Transplantation.

Redaktion HaarVergleich.ch · Aktualisiert am 14. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit · 7 wissenschaftliche Quellen · Wie wir recherchieren

Kreisrunder Haarausfall, medizinisch Alopecia areata, ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem greift die Haarfollikel an, worauf innerhalb weniger Tage runde, glatte kahle Stellen entstehen. Die Follikel bleiben dabei erhalten, deshalb wachsen die Haare bei vielen Betroffenen wieder nach.

Kurz gesagt: Alopecia areata ist nicht gefährlich und nicht ansteckend, aber oft belastend. Kleine Stellen heilen häufig von selbst, ausgedehnte Formen lassen sich heute mit modernen Medikamenten wie JAK-Hemmern behandeln. Eine Haartransplantation ist bei aktiver Erkrankung nicht geeignet.

Ursache: eine Autoimmunerkrankung

Bei Alopecia areata verlieren die Haarfollikel ihren natürlichen Schutz vor dem Immunsystem. Bestimmte Abwehrzellen greifen die Haarwurzel an und zwingen sie in eine Ruhephase. Das Haar fällt aus, die Wurzel überlebt aber.

Rund 1 bis 2 Prozent der Menschen erkranken im Laufe des Lebens, Frauen und Männer etwa gleich häufig, oft schon im Kinder- oder jungen Erwachsenenalter [2]. Beteiligt sind:

  • Genetische Veranlagung: Alopecia areata tritt familiär gehäuft auf.
  • Andere Autoimmunerkrankungen: etwa Schilddrüsenentzündung (Hashimoto), Vitiligo oder Typ-1-Diabetes [3].
  • Atopie: Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma kommen bei Betroffenen häufiger vor [3].
  • Auslöser: Infekte oder starker Stress können einen Schub anstossen, sind aber nicht die Ursache.

Formen und Erkennungszeichen

Form Ausmass
Alopecia areata (fleckförmig) Eine oder mehrere runde kahle Stellen
Ophiasis-Typ Bandförmiger Ausfall am Hinterkopf und an den Seiten
Alopecia totalis Verlust aller Kopfhaare
Alopecia universalis Verlust aller Kopf- und Körperhaare, inklusive Augenbrauen und Wimpern
Diffuse Alopecia areata Plötzliche, gleichmässige Ausdünnung ohne klare Flecken
Runde kahle Stelle am Hinterkopf eines Mannes bei kreisrundem Haarausfall
Typisches Bild bei kreisrundem Haarausfall: eine scharf begrenzte, glatte kahle Stelle ohne Narben oder Rötung. Bild: Thirunavukkarasye-Raveendran, Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Typische Zeichen:

  • glatte, nicht vernarbte Haut ohne Rötung oder Schuppung
  • Ausrufezeichen-Haare am Rand der Stelle: kurze Haare, die zur Kopfhaut hin dünner werden
  • manchmal auch Bart, Augenbrauen oder Wimpern betroffen [1]
  • Tüpfel oder Rillen in den Fingernägeln [1]

Die Dermatologin stellt die Diagnose meist mit Blick und Trichoskopie. Blutwerte helfen, begleitende Schilddrüsenerkrankungen zu erkennen.

Verlauf: Wachsen die Haare wieder nach?

Der Verlauf ist schwer vorherzusagen. Nach einer australischen Expertenübersicht bleibt es bei rund 40 Prozent der Betroffenen bei einer einzigen Stelle, die innerhalb von sechs Monaten von selbst abheilt. Weitere rund 27 Prozent bekommen zusätzliche Stellen, heilen aber innerhalb eines Jahres ab. Bei etwa einem Drittel wird die Erkrankung chronisch [4]. Nachwachsende Haare sind oft zuerst weiss oder hell, später wieder in der normalen Farbe.

Eine ungünstigere Prognose haben:

  • Beginn in der Kindheit
  • grosse Ausdehnung, totalis oder universalis
  • Ophiasis-Typ
  • lange Krankheitsdauer
  • begleitende Atopie oder Nagelveränderungen

Behandlung

Die Behandlung unterdrückt die Entzündung, heilt die Veranlagung aber nicht. Welche Therapie passt, hängt vom Ausmass ab.

Ausmass Übliche Behandlung
Einzelne kleine Stellen Abwarten oder Kortison als Lösung, Schaum oder Creme
Hartnäckige Stellen, Bart, Augenbrauen Kortison-Injektionen in die Haut (alle 4–6 Wochen)
Ausgedehnter Befall Immuntherapie mit Kontaktallergen (z. B. DCP), Kortison-Stosstherapie
Schwere Formen (über etwa 50 % der Kopfhaut) JAK-Hemmer als Tablette

JAK-Hemmer: die neue Therapieoption

JAK-Hemmer blockieren Signalwege, über die die Immunzellen die Haarfollikel angreifen. Für schwere Alopecia areata sind in der EU und der Schweiz Baricitinib (für Erwachsene) und Ritlecitinib (ab 12 Jahren) zugelassen. In den Zulassungsstudien hatten mit Baricitinib 4 mg nach 36 Wochen rund 36 bis 39 Prozent der Patienten höchstens noch 20 Prozent kahle Kopfhaut, unter Placebo nur 3 bis 6 Prozent [5]. Mit Ritlecitinib 50 mg erreichten dies nach 24 Wochen 23 Prozent, unter Placebo 2 Prozent [6]. Ein Cochrane-Review stuft die Wirksamkeit von Baricitinib als gut belegt ein, für die meisten älteren Therapien ist die Evidenz dagegen sehr unsicher [7]. Nicht alle sprechen an. Studienergebnisse, Risiken und die Lage in der Schweiz beschreibt unser Ratgeber zu JAK-Inhibitoren bei Alopecia areata.

Wichtig:

  • JAK-Hemmer wirken nur, solange sie eingenommen werden. Nach dem Absetzen kommt der Haarausfall oft zurück.
  • Mögliche Nebenwirkungen sind Infekte, Akne, Blutfettveränderungen [5] und seltenere schwere Risiken wie Thrombosen. Regelmässige Blutkontrollen sind nötig.
  • Die Medikamente sind teuer. Ob die Krankenkasse zahlt, ist nicht garantiert. Meist braucht es vorab eine Kostengutsprache.

Minoxidil wird teils ergänzend eingesetzt, die Datenlage für Minoxidil allein bei Alopecia areata ist aber sehr unsicher [7]. Vitamine nützen nur bei einem nachgewiesenen Mangel, siehe Vitamine bei Haarausfall.

Wann zur Dermatologin?

Lassen Sie neue kahle Stellen immer ärztlich anschauen, auch wenn sie klein sind. Andere Ursachen wie Pilzinfektionen, Zug-Alopezie, Trichotillomanie (zwanghaftes Haareausreissen) oder vernarbende Erkrankungen können ähnlich aussehen, werden aber ganz anders behandelt. Rasch handeln sollten Sie, wenn sich die Stellen schnell ausbreiten, Augenbrauen und Wimpern betroffen sind oder ein Kind erkrankt. Die Abklärung übernimmt in der Regel die Grundversicherung.

Kreisrunder Haarausfall bei Kindern

Alopecia areata beginnt häufig im Kindesalter. Bei Kindern wird meist sanft behandelt, etwa mit Kortison-Cremes, und viel abgewartet. Ritlecitinib ist ab 12 Jahren zugelassen. Wichtig ist, das Kind ernst zu nehmen, Lehrpersonen zu informieren und bei Belastung frühzeitig psychologische Unterstützung zu suchen. Eine kinderdermatologische Sprechstunde ist der richtige Ort.

Psychische Belastung

Plötzlich kahle Stellen sind für viele Betroffene ein Schock, unabhängig vom Alter. Angst vor dem nächsten Schub und Scham sind häufig. Hilfreich sein können:

  • offene Gespräche mit der Dermatologin über realistische Erwartungen
  • Selbsthilfegruppen und Austausch mit anderen Betroffenen
  • psychologische Begleitung bei starker Belastung
  • Perücken, ein Haarsystem oder eine Haarpigmentierung als vorübergehende oder dauerhafte Lösung. Bei krankheitsbedingtem Haarverlust beteiligen sich IV bzw. AHV unter bestimmten Bedingungen an Perücken.

Warum eine Haartransplantation bei aktiver Alopecia areata nicht geeignet ist

Eine Haartransplantation verteilt Haare vom Hinterkopf um. Bei Alopecia areata ist das aus mehreren Gründen keine Lösung:

  • Das Immunsystem greift auch transplantierte Haare an. Die Grafts sind nicht geschützt.
  • Die Operation kann einen Schub auslösen, auch in der Spenderzone.
  • Die eigenen Haare können nachwachsen. Die Follikel sind ja nicht zerstört.
  • Der Verlauf ist unberechenbar. Eine Planung wie bei erblichem Haarausfall ist nicht möglich.

Eine seltene Ausnahme können Augenbrauen oder Bartstellen sein, die seit vielen Jahren stabil kahl sind. Das sollte nur nach sorgfältiger dermatologischer Abklärung geprüft werden. Seriöse Kliniken lehnen eine Transplantation bei aktiver Erkrankung ab.

Haben Sie dagegen zusätzlich erblich bedingten Haarausfall, etwa Geheimratsecken, lohnt sich die getrennte Abklärung. Einen Überblick über alle Formen gibt der Ratgeber Haarausfall: Ursachen und Formen. Welche Kliniken in der Schweiz eine gründliche Diagnostik anbieten, sehen Sie im Klinikvergleich.

Häufige Fragen

Was hilft bei kreisrundem Haarausfall?

Bei einzelnen kleinen Stellen werden meist Kortison-Lösungen oder Kortison-Injektionen in die Kopfhaut eingesetzt. Bei ausgedehnten Formen kommen Immuntherapie oder JAK-Hemmer wie Baricitinib oder Ritlecitinib infrage. Die Behandlung gehört in dermatologische Hände.

Wachsen die Haare bei Alopecia areata wieder nach?

Ja, oft. Die Haarfollikel werden nicht zerstört. Bei einzelnen kleinen Stellen wachsen die Haare bei vielen Betroffenen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten auch ohne Behandlung nach. Rückfälle sind allerdings häufig.

Ist kreisrunder Haarausfall durch Stress ausgelöst?

Stress gilt als möglicher Auslöser eines Schubs, ist aber nicht die eigentliche Ursache. Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung mit genetischer Veranlagung, bei der das Immunsystem die Haarfollikel angreift.

Ist kreisrunder Haarausfall ansteckend?

Nein. Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung und weder ansteckend noch eine Folge mangelnder Hygiene.

Kann man bei kreisrundem Haarausfall eine Haartransplantation machen?

In der Regel nicht. Solange die Krankheit aktiv ist, kann das Immunsystem auch transplantierte Haare angreifen, und die Operation kann einen Schub auslösen. Zudem ist das Nachwachsen der eigenen Haare möglich.

Quellen

Die Ziffern im Text verweisen auf diese Quellen. Links führen zu PubMed, zum Verlag (DOI) oder zur Behörde.

  1. Harries MJ, Ahmed A, Ascott A et al. British Association of Dermatologists living guideline for managing people with alopecia areata 2025. Br J Dermatol 2026.PubMedDOI
  2. Lee HH, Gwillim E, Patel KR et al. Epidemiology of alopecia areata, ophiasis, totalis, and universalis: A systematic review and meta-analysis. J Am Acad Dermatol 2020.PubMedDOI
  3. Lee S, Lee H, Lee CH et al. Comorbidities in alopecia areata: A systematic review and meta-analysis. J Am Acad Dermatol 2019.PubMedDOI
  4. Cranwell WC, Lai VW, Photiou L et al. Treatment of alopecia areata: An Australian expert consensus statement. Australas J Dermatol 2019.PubMedDOI
  5. King B, Ohyama M, Kwon O et al. Two Phase 3 Trials of Baricitinib for Alopecia Areata. N Engl J Med 2022.PubMedDOI
  6. King B, Zhang X, Harcha WG et al. Efficacy and safety of ritlecitinib in adults and adolescents with alopecia areata: a randomised, double-blind, multicentre, phase 2b-3 trial. Lancet 2023.PubMedDOI
  7. Mateos-Haro M, Novoa-Candia M, Sánchez Vanegas G et al. Treatments for alopecia areata: a network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev 2023.PubMedDOI

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob eine Behandlung für Sie infrage kommt, klärt eine Untersuchung durch eine Fachperson.

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